
Meine kleine Kräuter Apotheke
Jeder kennt es, wenn der Hals wieder leicht kratzt oder der Bauch anfängt zu schmerzen, greift man automatisch zu etwas Warmen wie einem Tee. Menschen haben in der Vergangenheit Pflanzen genutzt, um körperliche Beschwerden zu lindern. Aus vielen Kräutern wurden später durch die moderne Medizin echte Medikamente entwickelt. Beikleine Beschwerden können aber auch schon bewährte Kräuter gut helfen. Wie praktisch wäre es, wenn man eigene Kräuter daheim hätte. Ein kleiner Kräutergarten reicht oft schon aus, um für den Alltag gut gerüstet zu sein.
Pflanzen, die uns helfen
Eine kleine Grundauswahl an Kräutern, die zum Einstieg nützliche Wirkungen haben:
1. Echter Thymian - Thymus vulgaris 🌿
Bildquelle: Pixabay – vjgalaxy (user_id:8110364 )
Jeder kennt Thymian aus der Küche, jedoch hat diese Pflanze weitaus mehr Eigenschaften als nur das Essen zu verfeinern. Schon die alten Ägypter sowie die Griechen verwendeten den Echten Thymian für ganz verschiedene Zwecke. Damals wurde er schon als Parfüm, Gewürz und als Heilkraut genutzt. Ihr könnt Thymian auch heute wegen seiner vielseitigen Eigenschaften verwenden. Thymian enthält die ätherischen Öle Thymol und Carvacrol. Diese zwei Stoffe sorgen für folgende Effekte:
- schleimlösend - hilft beim Abhusten
- krampflösend - für die Bronchien sowie für Magen-Darm-Probleme
- entzündungshemmend
- unterstützend antibakteriell
Damit ist er ein idealer Helfer bei:
- kratzendem Hals
- verstopfter Nase
- feuchtem Husten
- Bauchschmerzen
Zubereitung
Für eine Erkältung übergießt man 1 TL getrockneten oder 2 TL frischen Thymian mit heißem, aber nicht kochendem Wasser (ca. 150 ml) und lässt den Tee für 10-15 Minuten abgedeckt ziehen. Für eine verstopfte Nase kann man einen Sud aus 1 EL Thymian und 1 Liter Wasser herstellen. Der Dampf kann inhaliert werden, indem man sich über eine Schüssel mit dem Sud beugt, ein Handtuch über sich und die Schüssel legt und dann tief einatmet. (Für Kinder ist dies nicht empfohlen.) Für Bauchschmerzen lässt man den Tee 8-10 Minuten ziehen. Der Tee sollte abgedeckt ziehen, da sonst die ätherischen Öle verdampfen. Deshalb haben die unterschiedlichen Anwendungen unterschiedliche Ziehzeiten. Falls euch der Tee zu bitter ist, kann Honig helfen.
2. Echte Kamille - Matricaria chamomilla 🌼
Quelle: Unsplash - Natalia Slastnikova (unternata)
Hättet ihr nicht auch gerne die Blume des Sonnengottes in eurem eigenen Garten? Schon die alten Ägypter kannten die Eigenschaften der Kamille und widmeten die Pflanze ihrem Sonnengott. Auch viele andere Kulturen, wie die Germanen oder Kelten nutzten die Echte Kamille (Matricaria chamomilla/ Matricaria recutita). In ihren Blüten sowie Blütenköpfen sind vor allem die Inhaltsstoffe α-Bisabolol und Matricin (Vorstufe von Chamazulen) sowie Flavonoide und Cumarine enthalten.
Damit hat Kamille die folgenden Effekte:
- leicht entzündungshemmend - schwächt körpereigene Entzündungsbotenstoffe ab
- krampflösend - gegen Magen-Darm-Probleme
- antibakteriell - bezogen auf Schleimhäute und Hautreizungen
- schmerzlindernd
- wundheilungsfördernd
- beruhigend
Somit könnt ihr euch Abhilfe gegen diese Beschwerden schaffen:
- Magen-Darm
- Schleimhautreizungen (Hals oder auch Zahnfleisch)
- Hautreizungen
- leichte Schlafprobleme
Zubereitung
Die Blüten blühen zwischen April und August. Dann kann man 3 bis 5 Tage nach dem Blühen den ganzen Blütenkopf abschneiden und trocknen (Trocknungstipps). Bei Lagerung in einem dichten, dunklen und trockenen Gefäß halten sie sich ca. 1 Jahr.
Für die meisten Anwendungen reicht ein Tee, den ihr maximal 10 Minuten ziehen lasst. Alternativ zum Trinken oder Gurgeln könnt ihr einen Kamillesud für 10 Minuten inhalieren. Vorsichtig sollten Personen mit empfindlichen Augen sein.
Fun Fact - Bei einer Wasserdampfdestillation kann das blaue Öl der Kamille gewonnen werden.
Hinweis
- Möglichkeit auf allergische Kreuzreaktion auf Kamille, wenn ihr gegen Korbblütler wie Arnika, Beifuß oder Ringelblume allergisch seid.
- Verwechslungsgefahr mit Römischer Kamille, Mutterkraut und Acker-Hundskamille (reizend/ giftig).
- Nicht für Augen geeignet!
3. Pfefferminze 🪴
Quelle: Unsplash - Nikita Turkovich (nt_studio)
Pfefferminze begegnet uns ständig - sei es in Kaugummi, Shampoo oder als frisches Topping in Getränken. Jedoch steckt hinter dem typischen Minzaroma weit mehr als nur Geschmack. Der bekannteste Inhaltsstoff ist Menthol, der bis zu 70% der ätherischen Öle der Pflanze ausmachen kann. Genau dieser Stoff verleiht Minze ihren natürlich kühlenden Effekt und wird, deshalb häufig in Produkten wie Zahnpasta oder Kaugummi eingesetzt. Neben Menthol enthält Pfefferminze weitere Inhaltsstoffe wie Rosmarinsäure, Flavonoide, Triterpene und Bitterstoffe. Gemeinsam sind diese Inhaltsstoffe für die medizinische Wirkung von Pfefferminze verantwortlich.
Deshalb hat Minze folgende Eigenschaften:
- krampflösend
- beruhigend
- schmerzlindernd
- wehenfördernd
- kühlend
Als Tee kann Pfefferminze bei Magen-Darm-Problemen helfen, wie zum Beispiel:
- Schleimhautreizungen
- Blähungen
- Übelkeit
- Verdauungsproblemen
Pfefferminzöl kann zusätzlich bei Verspannungen und Kopfschmerzen helfen, da es stärker konzentriert ist.
Zubereitung
Zwischen Juni und Juli kann Pfefferminze gepflückt werden. Zu diesem Zeitpunkt knospet die Pflanze erst, weshalb mehr ätherische Öle in den Blättern vorhanden sind. Als Bündel kann Pfefferminze kopfüber getrocknet werden. Bei guter Lagerung in luftdichten und lichtundurchlässigen Behältern hält sich getrocknete Pfefferminze bis zu 2 Jahren.
Für einen Tee lasst ihr zerkleinerte Blätter 5 bis 10 Minuten abgedeckt ziehen und siebt ihn danach ab. Es kann auch Pfefferminzöl verwendet werden, jedoch immer nur verdünnt. Hier ist noch eine Anleitung, wie ihr Pfefferminzöl selbst herstellt, aber es gibt noch weitere Anwendungen für das Öl.
Hinweis
- Öl bitte nur verdünnt verwenden und nicht an Säuglingen oder Kleinkindern geben
- Bei Allergien gegen Lippenblütlern könnten Reaktionen auftreten.
Mit diesen drei Kräutern habt ihr nun einen guten Einstieg in eure kleine Hausapotheke.
Was sind das für Stoffe?
- α-Bisabolol - entzündungshemmend für Haut und Schleimhäute; fördert die Hautregeneration bei Wundheilung
- Bitterstoffe - speichel- und verdauungsfördernd
- Carvacrol - entzündungshemmend, antiseptisch
- Cumarin - entzündungshemmend, leicht durchblutungsfördernd - kann aber toxisch sein
- Flavonoide - entzündungshemmend, antioxidativ, gefäßschützend, krampflösend
- Matricin (Vorstufe von Chamazulen) - stark entzündungshemmend; beim Erhitzen/ Extrahieren wird Matricin zu Chamazulen.
- Menthol- kühlend, schmerzlindernd, schleimlösend
- Rosmarinsäure (Gärstoff) - entzündungshemmend, antiviral, antibakteriell, antioxidativ,
- Thymol - stark desinfizierend, fungizid, bakterizid, antiseptisch
- Triterpene - entzündungshemmend, antioxidativ, antimikrobiell
Quellen
Mehr Information könnt ihr im Apothekengarten der Universität Ulm finden.
Thymian
- Seilnacht - Digitalefolien: Echter Thymian Thymus vulgaris L.
- Bionorica®: Heilpflanzen: Thymian
- Apotheken Umschau: Beipackzettel - Thymian Tee
- AOK-Gesundheitsmagazin: Thymian – ein Alleskönner in Küche und Hausapotheke
Kamille
- AOK-Gesundheitsmagazin: Heilpflanzen als natürliche Hausmittel
- Bionorica®: Heilpflanzen: Kamille
- mein schöner Garten: Kamillentee: Herstellung, Anwendung und Wirkung
- ARD-1 Gesund: Kamille: Wirksames Hausmittel für Körper und Seele
Pfefferminze
- Seilnacht - Digitalefolien: Pfeffer-Minze Mentha x piperita L.
- Apotheken Umschau: Pfefferminze: Hilfreich gegen Kopf- und Bauchschmerzen?
- BR-Fernsehen: Heilen mit Pfefferminz
Titelbild: Bildquelle: Pixabay – analogicus (user_id:8164369)