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Mammutfleisch mit Rosmarin? - Die Geschichte der Kräuter

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wann genau der Mensch Kräuter als Gewürze verwendet hat? Ob der Steinzeitmensch bereits Rosmarin für das Würzen verwendet hat? Oder wann genau der Mensch erkannt hat, dass Pflanzen auch heilende Wirkungen haben können? Wenn ja, wird euch dieser Artikel dabei helfen einen kleinen Überblick über die Geschichte der Kräuter zu erlangen, mit dem Fokus auf Heilpflanzen.

Die Ursprünge

Zu welchem Zeitpunkt genau der Mensch der Wirkung von Kräutern, vor allem als Heilpflanze, kundig wurde, ist nicht ganz klar. Einige spekulieren anhand von Kamille Spuren in über 50.000 Jahre alten fossilen Zähnen, dass der Mensch diese schon zu damaliger Zeit als Magen-Darm-Mittel benutzt hat. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen stammen von einem unbekannten Verfasser aus Mesopotamien und sind ca. 5000 Jahre alt. Diese Schriften beinhalten einige Krankheiten und wie man diese mit Pflanzen kuriert hat. Auch im antiken Ägypten wurden hunderte Rezepte schriftlich auf Papyrus festgehalten und unter anderem für Mumifizierungen verwendet.

Antikes Ägypten

Ägypten Bildquelle: Unsplash - British Library (britishlibrary)

Im Antiken Ägypten wurden unterschiedliche Kräuterrezepturen auf zahlreichen Papyri festgehalten, der bekannteste davon ist der "Papyrus Ebers". Er beinhaltet 876 Rezepturen und ist in etwa 20 m lang. Die Rezepturen bestanden aus einer Herstellungsvorschrift, Prognose zur Wirkung, Lehrtext und Zauberspruch. Damals wurde daran geglaubt, dass die Wirksamkeit eines Mittels mit der Kraft der Götter durch Beschwörungen und Rituale verstärkt wird.

Wusstet ihr?: Die Ägypter haben damals als Arzneigrundlagen Wein, Bier, Milch, Wasser sowie pflanzliche Öle, und für eine festere Konsistenz Getreidebreie und tierische Fette verwendet. Diese wurden dann je nach Basis unterschiedlich angewendet, zum Beispiel oral als Trank oder als Salbe.

Kräuter, welche bereits die Ägypter benutzt haben, waren unter anderem:

  • Aloe Vera zur Linderung von Verbrennungen, Geschwüren, Hautkrankheiten und Allergien
  • Thymian als Schmerzmittel
  • Kümmel zur Beruhigung der Verdauung und Atemerfrischung

Antikes Griechenland

Tempel Bildquelle: Unsplash - Dawid Tkocz (dawidtkocz)

Das Antike Griechenland wusste um den guten Ruf der altägyptischen Kräuterheilkunde, aber welches Wissen genau die Griechen von den Ägyptern übernommen haben ist unklar. Dies liegt vor allem daran, dass man heutzutage altägyptische Namen von Kräutern, den griechischen Namen teils nicht zuordnen kann. Einer der berühmtesten griechischen Heilkundigen ist Hippokrates. Dieser gilt als "Begründer der modernen Medizin", seine Schriften beinhalten umfangreiche Beobachtungen und Beschreibungen von Krankheitssymptomen. Deshalb lässt sich sagen, dass seine Medizin oft auch auf Erfahrungen beruht.

Wusstet ihr? : Auf den Griechen Hippokrates geht der hippokratische Eid, den die Ärzte heutzutage leisten, zurück.

Der Arzt Pedianos Dioskorides schrieb das Werk "Meteria Medica", in diesem wurden rund 600 Pflanzen beschrieben auch mit Synonymen aus der Sprache anderer Kulturen wie den Ägyptern. Die "Meteria Medica" galt bis zum 17. Jahrhundert als Standardwerk der Medizin.

Wusstet ihr?: Die "Meteria Medica" ist ein Scriptum, welches aus insgesamt 5 Bänden besteht.

Kräuter, welche die Griechen verwendet haben (sowohl als Arznei sowie als Küchenkraut):

  • Minze
  • Rosmarin
  • Oregano

Diese Kräuter wurden in der griechischen Küche wahrscheinlich nicht nur wegen deren Geschmack, sondern auch wegen derer entzündungshemmenden, antibakteriellen und verdauungsfördernden Eigenschaften benutzt.

Mittelalter

Kloster Bildquelle: Unsplash - Ani Adigyozalyan (aniadigyozalyan)

Im Mittelalter wurde der Großteil der Forschung an Pflanzen in Klöstern von Mönchen durchgeführt und zusammengefasst. Diese legten Heilgärten an und schrieben Manuskripte in welchen Rezepte und Verwendungsmöglichkeiten lokaler Kräuter zusammengefasst wurden.

Bekannte Werke aus dieser Zeit waren unter anderem "Liber de cultura hortum", dies war ein Lehrgedicht über 23 Heilpflanzen in Versform vom Mönch Walahfrid Strabo und das Werk "de plantis" von Hildegard von Bingen. In dem lateinischen "Libre de cultura hortum" wurden die Pflanzen inklusive derer Anwendungshinweise vorgestellt, unter den vorgestellten Pflanzen befanden sich beispielsweise der Salbei, Wermut oder Liebstöckel. Hildegard von Bingens Werk "de plantis" im Deutschen "Über die Pflanzen" beinhaltet 173 Kapitel, welche sie mit ihrem Sekretär Volmar handschriftlich schrieb.

Wusstet ihr?: Die Äbtissin Hildegard von Bingen hat in ihren wichtigsten Werken "Physica" in 9 Bänden sämtliche Lebensformen und Erscheinungsbilder also Elemente, Bäume, Steine, Fische, Vögel, Tiere, Reptilien, Metalle und Pflanzen abgebildet.

Prominente Kräuter aus dem Mittelalter waren:

  • Echter Salbei als Allheilmittel für viele Beschwerden
  • Fenchel, welcher einen positiven Effekt auf die Verdauung haben sollte
  • Baldrian, mit schlaffördernder und appetithemmender Wirkung

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

China Bildquelle: Unsplash - 小贱 吕 (lvxiaojianac)

Die traditionell chinesische Medizin ist eine über 3.500 Jahre alte Heilkunst, mit dem Ziel die Qi-Energie (vitale Lebenskraft) in Körper, Geist und Seele in ein Gleichgewicht zu bringen und dieses zu erhalten. Oft werden hierbei individuelle Mischungen aus Wurzeln, Blättern, Blüten und Früchten für den Patienten hergestellt.

Wussten ihr?: Die chinesische Kräuterkunde ist über 5000 Jahre alt und entwickelte sich aus der Suche nach dem "Elixier der Unsterblichkeit" von Einsiedlern in den Bergen des alten Chinas, wobei sie vielerlei wirkungsvolle Rezepturen entwickelten.

Prominente Kräuter sind hier:

  • Kurkuma (Jiang Huang) ist bekannt für entzündungshemmende Fähigkeiten
  • Jiaogulan ist auch als „Kraut der Unsterblichkeit“ bekannt und soll Hitze sowie Gifte ausleiten
  • Baikal-Helmkraut ist wichtig für seine Wurzel, die in China seit über 2000 Jahren verwendet wird, unter anderem gegen Fieber, Husten, Nasenbluten, Magenprobleme und innere Unruhe

Amerika

Azteken Bildquelle: Unsplash - Osni Shelby (tulip_sunflower)

Die unterschiedlichen Hochkulturen und Stämme der Ureinwohner Amerikas besaßen alle ein weitgefächertes Wissen über Pflanzen und Kräuter. Dieses Wissen reicht von Küchenkräutern und Kräutern von Ritualen bis hin zu Heilpflanzen.

Wusstet ihr?: Heutzutage leben in den USA über 550 anerkannte Stämme wie die Apache und in Kanada über 615 Stämme. Auch in Mittel- und Südamerika leben viele indigene Völker, wie die Aymara. In ganz Amerika gibt es noch fast 200 indigene Völker, zum Beispiel im Amazonasgebiet, welche den Kontakt mit der modernen Gesellschaft meiden.

Dieses Wissen ging in Teilen durch die Kolonialisierung Amerikas verloren. Trotzdem blieb einiges erhalten, neben bekannteren Kräutern wie Salbei auch Kräuter wie:

  • das Aztekische Süßkraut wurde als Süßungsmittel sowie als Heilmittel gegen Husten von den Azteken verwendet
  • Koka-Blätter wurden zur Schmerzlinderung vom Inka Volk verwendet
  • Chilli wurde von den Mayas nicht nur in der Küche verwendet, sondern auch als Heilmittel für unterschiedliche Beschwerden, zum Beispiel in Form von "Chilli-Umschlägen" zur Linderung von Muskelkrämpfen und Nervenschmerzen
  • Zaubernuss/Hamamelis virginiana wurde von amerikanischen Ureinwohnern verwendet, sowohl die Rinde als auch die Blätter wurden bei akuten und chronisch entzündlichen Hauterkrankungen genutzt

Moderne

Bildquelle: Unsplash - Cova Software (covasoftware)

Heutzutage hat die Kräuterkunde, durch den medizinischen Fortschritt deutlich an Bedeutung verloren. Die Wirkstoffe zahlreicher Pflanzen wie das Menthol aus der Pfefferminze oder dem Thymol aus Thymian können mittlerweile synthetisch hergestellt werden, dabei kann die Dosis dieser Wirkstoffe ebenfalls individuell angepasst werden. Auch Kräuter für die Küche müsst ihr nicht mehr selbst anbauen, sondern könnt diese getrocknet oder teilweise frisch im nächsten Supermarkt kaufen. Allerdings kann man beobachten, dass das Interesse an Kräutern in jüngster Zeit einen Aufschwung erlebt. Vor allem die jüngeren Generationen legen ihre Aufmerksamkeit auf das Thema Nachhaltigkeit und das Bewusstsein von Medikamentenkonsum. Viele interessieren sich für natürlichere Alternativen, um kleinere Beschwerden medikamentlos zu behandeln.

Fazit

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass der Steinzeitmensch Rosmarin zum Würzen verwendet hat, konntet ihr im Artikel sehen, dass Kräuter den Menschen bereits seit Anbeginn begleiten. Dabei ist es egal welchen Kontinent dieser bewohnt, sein Wissen zur Wirkung von Pflanzen wurde über die Zeit hinweg mündlich und schriftlich weitergegeben. Dieses Wissen mag zur heutigen Zeit an Bedeutung verloren haben, ist aber dennoch hilfreich, um sich selbst zu versorgen und um Ressourcen zu schonen. Dabei finden Kräuter ganz unterschiedliche Verwendung, wie zur Insektenabwehr, zum Würzen oder als Heilkraut. Falls ihr Interesse am Gärtnern habt könnt ihr hier die Grundlagen kennen lernen.

Quellen

Titelbild: Unsplash - April Pethybridge (apriiil)

Überblick:

Ursprung:

Antike:

Mittelalter:

Traditionell Chinesische Medizin:

Amerika

Moderne: -Wikipedia: Pflanzenheilkunde